Der Querschläger

Einmal live nen Profi auf ner ATP-Veranstaltung sehen, das wär doch mal sehenswert. Sicherlich ein Ort der Tuchfühlung, der neben teurer Sonnenbrillen aus der Sitzkategorie der Reihe1-Millieus für den gemeinen Tennisamateur eine Spur vertrauten Stallgeruch parat hält. Gedanklich aufmunitioniert in der Hoffnung ein Potpourri an perfekt geschlagener Bälle zu sehen, hat es mich und einen Freund zum MTTC Iphitos geschlagen, denn dort sind die BMW Open zuhause.

 

 

Ich bin zugegebenermaßen nicht so der Erste-Reihe-Typ, dessen Fotoapparat unbedingt das dynamische Staccato der Beinarbeit von Kohli oder Haas aus vorderster Front aufnehmen muss. Für mich reicht das blanke Eintauchen in die Atmosphäre einer solchen Veranstaltung. Mit kindlicher Neugier im Gepäck über die Anlage einer ATP-Veranstaltung zu streifen und ab und an einen Profi auf einer der Nebenplätze zu beobachten – das ist genau mein Ding, deswegen bin ich hier. Wir Amateurspieler haben einfach einen anderen Blick auf eine solche Veranstaltung, da uns das Zentimetergespenst des idealen Treffpunktes beim Schlag wieder und wieder heimsucht und es eine unbeschreibliche Wohltat ist  vom Weltranglisten-Spieler persönlich in Form einer lockeren Trainingseinheit die erwartete Antwort zu bekommen.

 

Vergangenen Mittwoch war es dann soweit. Nach 14 Jahren bedingungsloser Tenniszugehörigkeit darf ich endlich mal ohne dem Zutun der Fernbedienung einen Profi live sehen. Warum habe ich nur so lange gewartet? OK, wir haben vielleicht keinen Boris Becker mehr, oder eine Steffi Graf - die beide den Tennisolymp so genau kennen wie ich die Garageneinfahrt im heimischen Örtchen - aber mit Tommy Haas sicherlich einen Magneten, der trotz seiner 34 Jahre immer noch auf Augenhöhe mit einem Top10 Spielern kann.

 

Parkplätze sind auf der Anlage des MTTC Iphitos genügend vorhanden. Kaum angekommen begrüßten uns gleich eine handvoll Parkplatzwächter, die sehr freundlich auf mich wirkten und ohne örtlicher Verwirrung die vorgesehene Parkplatzlücke für meinen Skoda bereithielten. Noch schnell ne Karte besorgen und schon bin ich den Stars ganz nahe :D.

 

Aus der Ferne zum Kassenhäuschen zeigte sich eine Schlange an Leuten, die es ebenfalls – sicherlich bedingt des Traumwetters – in den Aumeisterweg 10 gezogen hat, um Tennis der Weltklasse zu sehen. Schnell hatten wir uns eingereiht und durften neben dem Warten einiger Fragen der Promotiondamen lauschen die sich willkürlich aus der Schlange Leute herauspickten, um etwas mehr über die Strahlkraft und Kundenzufriedenheit der Marke BMW zu erfahren. Klar, eine solche Veranstaltung spült nicht den pfennigfuschenden Kleingartenbesitzer unserer Gesellschaft an, neee, sondern hier trifft sich im Übermaß das betuchte Haute-Volée Münchens. Ein schneller Blick über die vorgelagerten Schultern auf den Aushang des Kassenhäuschen verkündete unmissverständlich, dass die Plätze der Kategorie 4 (26 Euro) bereits restlos ausverkauft waren. Man konnte den angeregten Tuscheleien der zumeist älteren Tennisfans die dicken Backen aus dem Gesicht lesen, da mit den vorhandenen Optionen der Karten aus den Kategorien 1-3 (60,49,38 Euro) recht gewürzte Preisvorstellungen einhergingen . Mir ging es auch so und da ich schnell einen Karten-Konsens mit meinem Freund gefunden hatte, entschieden wir uns für die Ground-Tickets, die zwar nicht ausgeschrieben waren, aber von einer der netten Promotionladys wohlwissend kopfnickend bestätigt wurden.

Im Antlitz der Kassendame dann die Überraschung: „Nein, es werden erst Ground-Tickets verkauft, wenn alle Karten der angebotenen Centercourt-Kategorien ausverkauft sind!“ Ups! Ich entgegnete und meinte kleinlaut, „ich will eigentlich nicht die Jungs im Centercourt bestaunen, sondern einfach nur etwas auf den Nebenplätzen den anwesenden Profis beim Training zuschauen und nebenbei etwas ATP-Atmosphäre aufsaugen!“ Mein Wunsch klang für die etwas angenervt wirkende Kassendame wie das Pfeifen im Walde. Sie hatte diese selbstgefällig antrainierte Unaufgeregtheit einer irischen Weidekuh und war anscheinend vom Veranstalter unausweichlich gebrieft, die wenig nachvollziehbare Verkaufsorder stringent durchzuboxen.

 

3 Minuten später waren wir wieder auf dem Frankfurter Ring und gönnten uns für die gesparte Kohle  einen leckeren Mittagsschmaus beim Seewirt in Unterschleissheim. By the way: Eine wirkliche Empfehlung, denn hier passen Preis zum Ambiente :D.

 

Fazit: Die BMW-Open hat sicherlich Ihre Daseinsberechtigung, keine Frage. Aber selbst der Golfsport, der lange Zeit als besonders sophisticated vom Volkssportler wahrgenommen wurde hat gelernt, dass die bürgerliche Mitte zu adressieren kein Nachteil sein muss und es besser ist kleine Brötchen mitzubacken, als in Schönheit zu sterben. Der Tennissport erlebt seit Jahren rücklaufende Entwicklungen – fragen Sie den Vorstand beim Tennisclub ums Eck – deshalb kann und will ich diese wertgerechte Selbstbezogenheit eines solchen Veranstalters nicht verstehen und bezahlen. Unterm Strich blieb dann eben nur eins: Fernbedienung raus und der +Tontaste einen dicken langanhaltenden „Drück“ verpassen, da sonst der Applaus von den leeren Top-Kategorien nicht zu hören ist ….  und selbstverständlich feste die Daumen drücken, dass einer unsere Deutschen Profis wieder mal die 250 ATP Siegerpunkte aufs eigene Konto verbuchen kann.

In diesem Sinne, weiterhin ne gute Kugel

 

Euer Querschläger